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Vita Gregor Heuergeschrieben von Roland Heuer

Berta Sophia Katharina Heuer, geb. Eilmann ca. 1919

Berta Sophia Katharina Heuer, geb. Eilmann ca. 1919

Mein Vater Gregor Konrad Heuer wurde am 27. Juni 1915 als Sohn des reichsdeutschen Kaufmanns Gregor Heuer in Charkow (Ukraine) geboren.

Die Mutter, Berta Sophia Katharina Heuer, geb. Eilmann (in Tallinn / Estland geboren) musste ihren Sohn zunächst allein großziehen. Der Vater, ein reichsdeutscher Kaufmann, wurde wenige Tage nach der Geburt von Gregor Konrad Heuer interniert, kam 1918 aus Sibirien zurück und starb wenige Tage später.

Bis zu seinem 18. Lebensjahr lebte Gregor Heuer in Charkow. Bis 1929 besuchte er die „Arbeitsschule“ (Grundschule), danach von 1929 – 1933 das „Musik-Theatralische Technikum“.

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Studium in Estland

Gregor Heuer 10.10.1936 / Uniform der Estnischen Militär-Musik-Akademie

Gregor Heuer 10.10.1936 / Uniform der Estnischen Militär-Musik-Akademie

Von 1933 bis 1941 lebte Gregor Konrad Heuer mit estnischer Staatsangehörigkeit in Tallinn, der Hauptstadt der damaligen Republik Estland. Studium (Klavier und Komposition bei Artur Lemba und Artur Kapp) und Abschlussexamen (1937 Komposition und 1940 Klavier) an der Staatlichen Hochschule.

Ab 1935 erteilte Gregor Heuer Klavierunterricht und war sowohl als konzertierender Pianist wie auch als Komponist in Estland tätig.

1940/41 Solorepetitor an der staatlichen Oper in Reval (Tallinn).

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Umsiedlung… Kapellmeister in Allenstein… Kiew… Gablonz… Krieg und Gefangenschaft

Im Frühjahr 1941 wurde Gregor Heuer als deutscher Umsiedler aus Estland in Deutschland aufgenommen. Im Herbst 1941 wurde er als Kapellmeister an das Landestheater Südostpreussen in Allenstein engagiert. 1942 wurde er vom Ministerium für die besetzten Ostgebiete dienstverpflichtet und in den Osten, nach Kiew, versetzt. In Kiew war Gregor Heuer, neben der Dolmetschertätigkeit beim Sondergericht am Generalkommissariat, als Solorepetitor bei der Großen Oper Kiew unter Intendant Wolfgang Brückner beschäftigt.

Nach Auflösung des Generalkommissariats Kiew kam Gregor Heuer 1943 an das Stadttheater Gablonz/Neiße, wo er bis zur Einberufung zur Wehrmacht als Kapellmeister arbeitete. Am 6. November 1944 kam er zur Wehrmacht und nach der Kapitulation im Mai 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, wo er fünf Jahre lang festgehalten wurde.


Neubeginn nach der Gefangenschaft…

Im Mai 1950 wurde Gregor Heuer aus der russischen Gefangenschaft entlassen. All sein Besitz und Habe – Bibliothek, Noten, Manuskripte – waren verloren. Er kam nach Augsburg, wo seine Eltern – seine Mutter war seit 1946 mit dem Lehrer Johannes Manteuffel verheiratet – Arbeit und eine Bleibe gefunden hatten.
An der Musikhochschule in München und am Leopold-Mozart-Konservatorium Augsburg frischte Gregor Heuer in den Jahren ab 1950 sein durch die langen Jahre des Krieges und der Gefangenschaft mitgenommenes Können wieder auf. 1952 legte er in München die Reifeprüfungen in Dirigieren und Kompositon ab, 1953 in Augsburg die Klavierprüfung.


Aufbau einer Klavierklasse und Konzerttätigkeit…

Gregor Heuer 1956

Gregor Heuer 1956

1952 begann Gregor Heuer wieder mit dem Klavierunterricht und dem Neuaufbau einer privaten Klavierklasse. Bis zum Jahre 1955/56 gelang es ihm, durch eine stattliche Anzahl von Privatschülern seine Lebensumstände allmählich zu verbessern. Auch als Chorleiter und als Klavierbegleiter fand er wieder Anschluss.

Im Herbst 1955 wagte sich Gregor Heuer – nach über 14 Jahren – erstmals wieder auf das Konzertpodium.

Es folgten bis 1963 zahlreiche Klavierabende, hauptsächlich im süddeutschen Raum, sowie Konzerte als Liedbegleiter mit verschiedenen Sängern.

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Pädagoge…

1963 musste sich Gregor Heuer für mehrere Monate in eine Lungen-Heilanstalt begeben. An eine Laufbahn als Konzertpianist war danach nicht mehr zu denken.

letztes Foto von Gregor Heuer (1986)

letztes Foto von Gregor Heuer (1986)

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Gregor Heuer erwarb sich in Augsburg einen hervorragenden Ruf als Klavier-Pädagoge und unterrichtete unermüdlich bis zu seinem Lebensende.

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Der Komponist Gregor Heuer

„Die Jahre in der Kriegsgefangenschaft haben meinen Kompositionsnerv zerrissen“

schrieb mein Vater Gregor Heuer 1956 in einem Brief an seinen Freund in Tallinn, den Dirigenten Roman Matsov.

Gregor Heuer und Prof. Artur Kapp (links) in Tallinn ca. 1935

Gregor Heuer und Prof. Artur Kapp (links) in Tallinn ca. 1935

Gregor Heuers intensivste Zeit des Komponierens sind die Jahre 1935 bis 1942 in Tallinn / Estland.

In diesen Jahren studierte er auch am Tallinner Konservatorium bei Prof. Artur Kapp und Prof. Artur Lemba.

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Gregor Heuer – Kompositionen

Lieder in Tallinn (gedruckt)

„Lind läks magama“

(1937 / Text: Anna Haava)

„Ainult sulle“ / „Ein Gruß an Dich“

(ca. 1939 / Text: Anna Haava)

„Sind ootan“ / „Dein‘ harr‘ ich“

(ca. 1939 / Text: Anna Haava)

Weitere Werke der Jahre 1933 – 1940

„Kellahelinad kaugelt“ (Drei Klavierprelüds) für Klavier solo (Else Klement gewidmet)

Viiulisonaat (Violinsonate) für Violine und Klavier

Kontsert klaverile ja sümfooniaorkestrile (Klavierkonzert)

Fantaasia klaverile ja sümfooniaorkestrile (Fantasie für Klavier und Orchester)

Keelpillikvartett (Streichquartett)

„Melodia“ für Violine und Klavier (gedruckt 1938 in Tallinn)

1942

Ballett „Surmatants“ (Totentanz) für das Landestheater Südostpreussen in Allenstein

Werke nach 1950

Lieder

„Hörst Du?“ / Text: Th. Storm (30.12.1950)

„Grab in der Steppe“ / Text: Robert Dörflinger (21.10.1953)

„Abschied“ / Text: Robert Dörflinger (28.10.1953)

„Sommertag“ / Text: Robert Dörflinger (28.10.1953)

„Lob der Stille“ / Text: R. Dörflinger (30.10.1953)

„Gewitter“ / Text: Robert Dörflinger (3.11.1953)

„Du“ / Text: Else-Maria Hassold (30.12.1953) (Centa Strohmeier gewidmet)

„Im Frühling“ / Text: Else-Maria Hassold (30.12.1953)

„Der Nachbar“ / Text: R.M. Rilke (9.1.1954)

„Sonnenaufgang“ / Nach einem Gedicht von R. Dörflinger für Männerchor (21.5.1955) (Uraufgeführt vom Männergesangsverein „Frisch Auf“ Augsburg, am 26.11.1955)

„Sonne“ / Nach einem Gedicht von R. Dörflinger für Männerchor (22.5.1955)

(Uraufgeführt vom Männergesangsverein „Frisch Auf“ Augsburg, am 26.11.1955)

Sonstiges

„Kleine Suite in D“ für Klavier vierhändig (18./19. April 1957)

„Übungsstücke für ganz kleine Geiger / Sonatine G-Dur“ für Violine und Klavier (28.11.1961)

„Marienlied 1“ / Text: Hermann Hesse (7.6.1982)


Frauen und Familie…

In erster Ehe war Gregor Heuer verheiratet mit der Diplompianistin Else Klement (geboren 1915 in St. Petersburg). Sie starb im Jahre 1942 nach schwerer Krankheit in einem Lungensanatorium in Schömberg (Schwarzwald) nach einem Luftangriff.

1953 lernte Gregor Heuer in Augsburg die verwitwete Sängerin Kreszens Strohmeier, geb. Pröll kennen. Sie heirateten 1957.

Kreszens (Centa) Strohmeier, geb. Pröll ca. 1945

Kreszens (Centa) Strohmeier, geb. Pröll ca. 1945

Kreszens Strohmeier brachte aus ihrer ersten Ehe den 1945 geborenen Sohn Peter Strohmeier mit in die Ehe.

1954 kam Sohn Roland zur Welt.

Meine Mutter, Kreszens Heuer, starb am 28. August 1971 nach einem langen Krebsleiden.

Im Oktober 1971 starb Gregor Heuers Mutter Berta Manteuffel im Alter von 83 Jahren.

Im Jahr 1972 heiratete Gregor Heuer seine Frau Maria Karoline Heuer, geb. Hammerl, die 17 Jahre an seiner Seite stand und das Leben mit ihm teilte.

Gregor Heuer starb nach längerer Krankheit am 30. März 1989.


4 Comments
  1. Eckhard Mandelkow permalink

    Sehr geehrter Herr Heuer,
    ich bin durch Zufall auf die Webseite gestossen, die an Ihren Vater Gregor Heuer erinnert. Ich hatte in den Jahren ca. 1954/55 als 11/12-Jähriger Klavierunterricht bei Ihrem Vater (damals als Gymnasiast am St. Anna Gymnasium in Augsburg) und erinnere mich gut an ihn und das Zimmer mit dem grossen Flügel (wie im obigen Bild 1956). Er hat mir wichtige Impulse für meine weitere Entwicklung mitgegeben, nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch durch seine einfühlsame und verständnisvolle Art der Diskussion über verschiedenste Themen. Meine Familie zog 1956 von Augsburg fort, ich habe ihn später nur noch einmal getroffen, ca. 1958, anlässlich eines Klavierkonzerts, das er in Ansbach gab. Aber erst durch Ihre Webseite habe ich von der Breite seines Wirkens (und von seinem schweren Schicksal in der damaligen Zeit) erfahren. Es ist schön, dass Sie ihm auf diese Weise ein Denkmal gesetzt haben.

    Mit freundlichem Gruss
    Eckhard Mandelkow
    Hamburg

  2. Heinrich Ding permalink

    Sehr geehrter Herr Heuer,
    vor vielen Jahren spielte ein junger Geiger Ihres Namens im Musikunterricht des Peutinger Gymnasiums. Unser Musiklehrer, Herr Lutz meinte: Diesen Namen müsst Ihr Euch merken. Aus dem wird einmal etwas. Jetzt würde mich sehr interessieren, ob Sie derselbe sind.
    Außerdem plant meine Kollgin am Gymnasium bei St. Anna eine Konzertreihe mit Kompositionen von Musiklehrern aus dem Gymnasium bei St Anna. Darf ich Ihre Mailadresse an sie weitergeben?
    Mit freundlichen Grüßen
    Heinrich Ding

    • admin permalink

      Sehr geehter Herr Ding,
      Es stimmt, ich war ein paar Jahre Schüler am Peutinger Gymnasium. Dass Sie sich aus dieser Zeit an mich erinnern, ist ja fast unglaublich. Eine Konzertreihe mit Werken der Musiklehrer(innen) von St. Anna – das interessiert mich durchaus. Würde mich freuen, mehr darüber zu hören.
      Mit herzlichem Gruß
      Roland Heuer

  3. Sehr geehrter Herr Heuer,
    eine Kollegin und ich möchten im November dieses Jahres die „Melodia“
    und die „Sonate für Violine und Klavier“ aufführen, Kompositionen Ihres Vaters für diese Besetzung.
    Gibt es Aufnahmen von dieser Musik?
    Bei youtube hab ich leider nichts gefunden.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Ulrike Schaper

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